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Der Angler und das liebe Vieh
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THEMA: Der Angler und das liebe Vieh

Der Angler und das liebe Vieh 24 Nov 2013 00:01 #7177

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  • Beiträge: 30
Anfang 2013 habe ich wieder ernsthaft mit dem Angeln angefangen, inspiriert von der traditionellen englischen, einfachen Angelei. Ich habe aber persönlich große Schwierigkeiten mit der Einstellung und dem Denkverhalten vieler meiner Angelkollegen und der allgemeinen Vereinsführung und Pressearbeit und bin deshalb auch an dem Gewässer an dem ich das Angeln erlernte mit Jahreskarte unterwegs und engagiere mich im Verein so gut wie gar nicht auf Grund meiner Frustration darüber wie viele Dinge gehandhabt werden. Ich habe großes Interesse daran wie Ihr über diese Themen denkt und würde nach einer genaueren Erläuterung meinerseits gerne etwas über Euere eigenen Erfahrungen herausfinden.

Teil 1:

Der böse Biber
Wir haben einen gesunden, wachsenden Biberbestand und das finde ich wunderbar. Ich verbringe jeden Tag mehrere Stunden am Wasser, da ich den Luxus geniessen darf nicht jeden Tag eine Schicht in der Maschinenhalle herunterreissen zu müssen, natürlich nicht immer um zu angeln, sondern weil ich mich an der Flora und Fauna erfreue. Ich weiß exakt wieviele Biberburgen und ungefähr wie viele Biber wir im Umkreis haben, ich beobachte was und wie sie fressen, fotografiere auch gerne den pelzigen Gefährten und mache das um ehrlich zu sein mit fast kindlicher Freude. Man sollte doch Stolz darauf sein eine ausgerottete Art wieder ansiedeln zu können, speziell wenn der Grund der Ausrottung der war das „fastende“ Christen es nicht verkraften konnten sich auch nur eine Woche von Fisch zu ernähren. Ganz abgesehen davon, siedeln sich mit dem Biber auch andere Spezien und Pflanzen wieder an, wie zum Beispiel diverse Amphibien und Vögel wie die Uferschwalbe.
Exakt an diesem Punkt wird es frustrierend.
Von den meisten Anglern wird der Biber als Plage angesehen, einige typische Diskussionspunktsbeispiele:

„Der Biber frisst alle Bäume weg.“
Erstens sollte hier zu bemerken sein, dass man sich mit den Ökosystem Fluss etwas genauer beschäftigen muss um die blatante Unwahrheit dieser Aussage zu erkennen. Biber fressen vor allem Arten, wie zum Beispiel die Weide, die früher mannigfaltig wahren und (zumindest bei uns) als Baumunkraut angesehn waren. Das Tier kann nichts dafür dass es offensichtlich nicht realisierbar ist durchgängig einen gesunden Uferbewuchs zu sichern, da werden die Wiesen bis zum aller-äußersten Rand des Ufers hertunergemäht und fast jeder Baum (von Menschenhand) gefällt, wo noch vor 40 Jahren ein gesundes, natürliches Flussumfeld intakt war. Was die Flurbereinigung alleine an Schaden angerichtet hat, hätte der Biber nie zu Stande gebracht.
Desweitern ist zu erkennen dass sich diese Menschen noch nie mit dem Fressverhalten eines Bibers auseinandergesetzt haben, denn ein Biber fällt nicht einfach stumpfsinnig irgendwelche Bäume wo er sich gerade aufhält. An einigen Orten an denen noch viele als Futter in Betracht zu ziehende Bäume, wie zum Beispiel Weiden, wachsen ist gut zu erkennen wie sie sich Transportwege durchs Unterholz bahnen und bestimmte Bäume zu fällen, sie zu zerlegen und abzutransportieren. Sie fressen oft auch nur Bäume an bis sie umknicken, nehmen sich das was für sie erreichbar ist und der Baum wächst sogar noch weiter, dies ist vor allem im Winter zu beobachten, da die Astspitzen, unter dem Eis in den Schlamm gesteckt, die Winternahrung für die Biber darstellen.

„Der Biber staut das Wasser auf und sorgt für Überschwemmungen.“
In dieser Aussage ist zwar ein Funke Wahrheit enthalten, jedoch muss man hierzu beachten:
Die Biberburg hat ihre Ein- und Ausgänge grundsätzlich unter Wasser, hierfür ist eine Wassertiefe von 50 cm absolut aussreichend, ergo staut der Biber lediglich sehr niedriege, meist stehende, Gewässer auf um die Sicherheit seiner Behausung und seine körperlich Unversehrtheit zu garantieren. Daraus können wir also schließen dass kein Biber der in einem Fluss lebt anfangen wird Dämme zu errichten, was er jedoch tun wird ist Zuläufe und Bäche aufzustauen um sich sicher in angebracht tiefem Wasser bewegen zu können, jedoch ist es unsinnig zu behaupten dass daraus Überschwemmungen resultieren würden, vor allem wenn man tatsächlichen Gründe hierfür wie den immensen Rückgang von Feucht- und damit Retentionsflächen für Gewässer völlig ausser Acht lässt und lieber, weil wesentich einfacher, auf irgendwelche anderen Verursacher schiebt.

„Der Biber zerstört Nutzflächen“
Auch dies trifft nur zu wenn das Ökosystem Fluss nicht im Gleichgewicht ist. Diese sogenannten Nutzflächen werden bis zum äußerten an den Fluss herangetrieben und somit bleibt dem Biber nichts anderes übrig als seine Ernährung zum Beispiel mit dem Fressen von Feldfrüchten zu komplimentieren. Da weiss man doch nicht mehr so genau ob der Schaden da nicht dem Nutzen überwiegt. Die einzige sinnvolle Lösung ist, dem Fluss den Platz einzugestehen den er braucht und der ihm zustehen sollte. Der Biber dient lediglich als Indikator dafür, wo dies der Fall ist.

Abschliessend ist zu sagen das der Biber eine Schlüssel-Art ist, der Lebensräume für zahlreiche andere bedrohte Tier- und Pflanzenarten schafft und er ist ein wahrer Meister der Renaturierung welche für ein gesundes natürliches Umfeld jedem Angler am Herzen liegen sollte.
Die Philosophie eines jeden Anglers sollte vorrangig die des Waidmannes sein und damit verdient man sich das Recht Fische zu beangeln. Leider scheinen dass viele meiner Kollegen anders zu sehen besonders wenn ich mir vor Augen rufe, wie vermüllt unsere Gewässer und Ufer teilweise sind oder wie dreist man seinen Dreck am Angelplatz hinterlässt. Wenn man derartige Halbherzigkeit und Ignoranz an den Tag legt wird sich der Ruf der Angler in der Öffentlichkeit nie verbessern.
Arten- und Naturschutz kann und darf nicht selektiv betrieben werden, das ist ein Oxymoron und eine ganz schreckliche Sackgasse nebenbei.

Ich bin gespannt auf eure Reaktionen und eigenen Meinungen/ Erfahrungen zum Thema,
-Lucas.

Aw: Der Angler und das liebe Vieh 24 Nov 2013 10:41 #7180

  • mupliss
Servus Lucas,

du findest in diesem Forum einige Beiträge rund um das Thema Interessenkonflikte.
Egal ob "Döbelfreie Fließgewässer", Karpfenangler, Vereinsmeierei, Forellenmonokultur oder jetzt Biber.

Auch hier am Chiemsee im "Prien-Delta" (lächerlich) leben seit wenigen Jahren wieder Biber - und vermehren sich.
Anfänglich wurden die Tiere gehypt bis hinten gegen und wie toll das doch alles sei.
Nur bestehen auch hier genau die von dir beschriebenen Probleme: zu wenig Bäume, zu viele Nutzflächen bis direkt ans Wasser und kein ordentliches Managment, sondern nur Pro oder Contra.
Schon sehr früh haben sich Kritiker, oder eher Zweifler gemeldet, ob denn die bestehenden 25 Bäume im Strandbad und die umliegenden Kuhweiden auf Dauer ausreichen. Aber wie so oft, wurden diese Fragesteller abgewatscht als Gegner und Biber-Hasser und so weiter...
Heute nun sind zig Bäume gefällt und der erwartete touristische Zuspruch auf die tolle Biberburg ist einem touristischen Unverständnis gewichen, wieso es denn aussähe, wie nach einem Sturmschaden...
Und so werden heute die restlichen Bäume mit chemischen Mitteln bestrichen, damit der Biber nicht drangeht. Es kommt so aber nur zu einer Verlagerung des Problems, da die Tiere nun nachts einfach weiter an der Prien stromauf wandern und den sowieso viel zu schmalen und lichten Baumbestand dezimieren. In den ersten Gärten war er auch schon.
Spätestens wenn der erste Baum auf ein Haus, Auto oder die Straße fällt, wird das Thema hier eskalieren. Nur eine Frage der Zeit...

Wenn man natürlich das Strandbad schließen würde, einen 50m Streifen links und rechts der Prien stilllegen und einfach mal 2000 Bäume pflanzen würde, dann hätte man vielleicht in 10 Jahren einen touristischen Magneten. Fein einen Lehrpfad auf Stegen dadurch gebaut, ein Gasthaus mit Biergarten und Kinderspielplatz und die Gemeinde würde unglaublich profitieren.
Aber so etwas scheitert an 8 Hektar Wiese vom Bauern...
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