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Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht
(1 Leser) (1) Gast

THEMA: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht

Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 20 Dez 2012 13:11 #4030

Hallo zusammen,

vor einigen jahren habe ich einen Bericht übers Hechtangeln mit Sardinen und "Friedfischmethoden" verfasst. Da dieser leider von keiner Zeitung veröffentlicht wurde (kurz vorher hatte ich in der "carp in focus" einen Bericht über einfache Boilies) und seitdem nur auf der Festplatte schlummert dachte ich ich stell ihn hier mal rein.

einige Dinge habe ich durch neue Erfahrungen und Erkenntnisse ändern müssen, ein Paar Dinge hab ich so gelassen auch wenn ich heute evtl. differenzierter darüber denke und die Bilder sind die Originale von damals, ich habe bewußt auf neue verzichtet, auch wenn meine Frisur damals mehr als schrecklich war ...genug der Vorrdede, viel Spaß beim lesen:

Wölfe im Schafpelz

Hechte – aggressive Räuber, schnelle Jäger;
So ist zumindest die meist vertretene Meinung der Angler über den Raubfisch Nummer eins in Deutschland. Das man die räuberischen Gesellen unter gewissen Umständen auch hervorragend mit Methoden befischen kann, die an das moderne Karpfenangeln angelehnt sind, soll der folgende Fangbericht verdeutlichen:

Als spezialisierter Karpfenangler hatten mich Hechte nie sonderlich interessiert. Da in meinem Hausgewässer die Karpfen in diesem Herbst jedoch nicht so recht und wenn, dann nur nachts beißen wollten, wagte ich doch einen Versuch, einen anderen Zielfisch vor die Kamera zu bringen.
Um einen besseren Einblick zu gewähren, möchte ich zuerst das Gewässer näher beschreiben:
Ein typischer 2 Hektar großer Karpfenweiher, zwischen 1,8 und 0,8 m tief mit Lehmboden, keinen besonderen Bodenstrukturen und einer ganzjährigen Sichttiefe von maximal 15 cm.
Nicht gerade das, woran man bei typischen Hechtgewässern denkt. Ich wusste aber durch Beobachtungen , dass sich Esox lucius in ordentlichen Größen im Gewässer tummelt. Allerdings sollte es schwierig sein, ihn zum Anbiss zu verleiten, da es von Rotfedern, also natürlicher Nahrung nur so wimmelt.
Da ich als Ansitzangler kaum Interesse am Spinnfischen habe und ein treibender Weißfisch an der Pose mir angesichts des übergroßen Nahrungsangebotes nicht sinnvoll erschien, beschloss ich so vorzugehen wie beim Karpfenfischen eben auch.

Platzwahl

Also mussten zuallererst die Standplätze der Fische ausfindig gemacht werden:
Die Temperatur war noch nicht allzu niedrig, die Rotfedern hielten sich noch in einer flachen Ecke des Sees auf, da sollten die Hechte nicht weit sein.


Köderwahl

Als nächstes musste ein Köder gefunden werden, der sich von der Masse an Rotfedern abhebt und leicht in ausreichender Menge zu beschaffen war.
Nach einem Einkaufsbummel durch den örtlichen Supermarkt, war die Wahl klar: ganze, etwa 15 – 20 cm lange Sardinen aus der Tiefkühltruhe. Weniger als 3 Euro für 10 Stück - durchaus erschwinglich und Nachschub ist gesichert. Der penetrante Duft der Meeresfische sollte den Hechten auch im trüben Wasser den Weg weisen.

Die Taktik

Meinem Karpfenschema folgend, kam nun logischerweise das Anfüttern. Am Vorabend des Angeltages warf ich 4, der in 3 cm große Stücke zerschnittenen Sardinen an meiner Angelstelle auf 25 qm verteilt ein.
Gespannt wie ein Regenschirm, ob die Taktik aufgehen würde, fuhr ich am nächsten Nachmittag ans Wasser. Es war bedeckt und ein leichter Westwind kräuselte die Wasseroberfläche: ideale Bedingungen. Eine Rute fischte ich traditionell mit einem 10 g tragenden Schwimmer und einer ganzen Sardine in 60 cm Tiefe, also 20 cm über Grund. Die andere ganz in Karpfenanglermanier mit einem Laufblei von 50 g und einer halbierten Sardine am Drilling. Als Ruten kamen normale Karpfenruten in 12 ft Länge und mit einer Testkurve von 2 1/2 lbs. zum Einstaz. Die Bisserkennung garantierte ein elektronischer Bissanzeiger und ein komplett geöffneter Freilauf. Dies ist aber nur bei Freilaufrollen mit wirklich sehr leichtgängigem Freilauf zu empfehlen, ansonsten spürt der Räuber zu viel Widerstand. Bestens eignen sich hierfür die robusten US-Baitrunner-Modelle von Shimano. Eine 0.35er monofile Schnur vervollständigte das Setup.
Die Köder im Wasser, begann ich zu warten und zu zweifeln, ob Esox genauso überzeugt von meiner Vorgehensweise ist, wie ich es war.

Der erste Biss

Nach 2 Stunden vergeblichen Ansitzens, begann mein Schwimmer zügig seitlich zu wandern und tauchte ab. Aufgeregt setzte ich einen entschiedenen Anhieb und der Tanz begann. Der erste Hecht auf Meeresfisch konnte sich mit 84 cm durchaus sehen lassen. Es blieb der einzige Fang an diesem Nachmittag. Überzeugt von meiner Methode, fütterte ich in der folgenden Woche jeden Abend an wie gehabt, die Menge der gefangenen Hechte steigerte sich hierbei zusehends.




Erfolg auf ganzer Linie

So konnte ich an 4 Nachmittagen 14 Hechte zwischen 79 und 91 cm auf meine Sardinen überlisten. Getoppt wurde das ganze von meinem Freund Martin, der mich einen Nachmittag lang zu meinem Futterplatz begleitete und einen Hecht von 97cm und 14 Pfund fing, natürlich auf Sardine. Ich war absolut baff vom Erfolg der Taktik und vor allem der Menge an großen Hechten, die der kleine Teich bereit hielt.



Dies ist einerseits durch das reichliche Nahrungsangebot zu erklären. Andererseits denke ich dass Hechte dieser Größe fast alle anderen Köder und Methoden schon kennen gelernt haben, mit der völlig neuen Vorgehensweise sind sie aber noch nicht vertraut.
Interessant war auch, dass immer mehr Bisse auf die Grundrute erfolgten, während die Schwimmerrute zusehends an Effektivität verlor. Die Räuber schienen sich daran zu gewöhnen, die Brocken vom Grund aufzusammeln.

verdeckte Haken

Die Anköderung erfolgt am besten mit einem einzelnen Drilling, woibei ich inzwischen zu einem Einzelhaken tendiere, diser macht das schonende Zurücksetzen wesentlich einfacher und die Bißausbeute leidet keineswegs.



Der Kopfteil des Köders wird schräg abgeschnitten, so dass eine Keilform mit Spitze an der Rückenseite entsteht. Anschließend zieht man das Stahlvorfach entlang der Wirbelsäule durch den Fisch. Der Drilling oder Einzelhaken sitzt so an der breitesten Stelle mittig im Rücken und sollte mit den Hakenspitzen nur sehr knapp über die Ränder des Fisches vorstehen. So können sich Blätter und ähnlicher Unrat nicht am Haken verfangen. Beim Biss drückt der Hecht das weiche Sardinenfleisch zusammen und der Haken kann frei greifen. Die Weichheit des Köders ist aber auch das größte Problem der Sardinen. Ködert man jedoch noch halb gefrorene Stücke linear an und nutzt den Haken, wie beschrieben zur Abstützung des Ganzen, sind auch mehrere und weitere Würfe möglich. Wer mehrere Würfe mit derselben Sardine machen will sollte die Schwanzflosse abschneiden, diese bietet beim Einkurbeln viel Wasserwiderstandder den Rest der Sardine seitlich vom Vorfach abschält. Auch ein Plastikröhrchen das auf dem Vorfach in der Sardine sitzt leistet dann gute Dienste, es verhindert dass das Vorfach durch das weiche Fleisch schneidet.
Keine Angst wenn die Hakenspitzen verdeckt sind, dass sieht im ersten Moment zwar nicht vertrauenerweckend aus, funktioniert aber zweifellos. Von einem Sitz des Drillings an der Köderflanke ist abzuraten, da der aufgetaute Köder, dann auf dem Vorfach zusammensackt und beim Einkurbeln zerfällt.
Der Anhieb sollte bei dieser Methode möglichst sofort beim Biss gesetzt werden, da fast nur größere Hechte Meeresfische nehmen und diese durch das Einsaugen vom Grund, den Köder sofort ganz inhalieren. Nur ein zeitiger Anhieb verhindert tief gehakte Fische.
Da Großhechte nicht so dicht gesät sind, plädiere ich sehr dafür, diese aus Gründen der Bestandserhaltung nicht oder nur selektiv zu entnehmen. Schonendes Zurücksetzten ist aber nur bei Fischen problemlos möglich, die im vorderen Maulbereich gehakt sind, also besser sofort anschlagen.

Fazit

Abschließend möchte ich noch meine inzwischen gewonnenen Erfahrungen mit dieser Methode etwas detaillieren. Einerseits wurde klar dass nur große Hechte auf Sardinen reagieren, in 5 Jahren Hechtfischen mit Sardinen war nie ein Fisch unter 70 cm dabei.
Auch hat sich gezeigt dass es einige Gewässer gibt in denen die Sardine als Köder so gut wie gar nicht funktioniert. Ein Kriterium hierbei war stets die Wassertrübung. In klaren Gewässern mit hoher Sichttiefe haben Sardinen wesentlich schlechter funktioniert, ich führe dies auf die angewandten Sinne der Hechte zurück. In trübem Wasser ist der Hecht viel eher bereit seinen Geruchsinn zur Nahrungsaufnahme zu verwenden und daher auch leichter an die Meeresfische heranzuführen. In klaren Gewässern war der Erfolg durchweg schlechter, wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigten.

Viel Erfolg wünscht euer Axel "grubenreiner".
Anglers with a high level of self mastery are acutely aware of their ignorance, their incompetence and their development areas. They are also deeply confident. This may seem a paradox but only for those who do not see the journey as the reward.
Letzte Änderung: 20 Dez 2012 15:42 von grubenreiner.

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 20 Dez 2012 17:01 #4033

  • lutz
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Danke Axel für Deinen detaillierten Bericht. Er hat einige Fragen beantwortet , die ich noch hatte. Für die Feiertage habe ich mir schon vorgenommen so etwas mal auszuprobieren. Hoffe auf etwas "Atlantikwetter" und möglichst kein "osteuropäisches Hoch" zu der Zeit.

Gruß

Lutz
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William of Occam

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 25 Dez 2012 12:48 #4048

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Man möchte ja zuerst meinen, die Hechte hätten zu wenig Futter in dem kleinen Weiher, nun dann sähen sie aber bei Weitem nicht so wohlgenährt aus.
Also doch "faule Hunde", die lieber "Powerriegel" aufsammeln als energieintensiv hinter flinker Beute herjagen zu müssen ...

Schöner Bericht
Ich angele, um dem Lärm der Welt zu entfliehen.

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 27 Dez 2012 13:26 #4052

  • patrick
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Kann dem nur zustimmen..schöner Bericht und schöne Fische.

Muss aber wirklich noch die starke Frisur und den tollen Bart bewundernd erwähnen

Habt ihr im neuen "Raubfisch" den Beitrag über das Angeln mit Makrele und Co gelesen..das Gesicht hinter dem dicken Hecht kann einem auch bekannt vorkommen

Bringt echt nix, wenn du dich immer hinter so Grashechten versteckst Ralf
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Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 28 Dez 2012 15:35 #4063

Danke euch.

Heute war ich wieder mal am Wasser auf Hecht, wieder mit Sardine, aber diesmal andere Technik.
Ich wollte unbedingt meine Pin fischen, also eine Sardine durch die Augenhöhlen auf den Haken, nur ein großes Bleischrot auf die Mitte des Stahlvorfachs und fertig. Die Sardine habe ich dann in der hinteren Hälfte wie beim filetieren entlang der Wirbelsäule geteizlt, die zwei Schwänze können dann schön wedeln.

Und tatsächlich hat das ultralangsame ufernahe Spinnen einen Hecht gebracht, knappe 90 cm schätze ich, hab ihn gleich im Wasser abgehakt. Leider war der Foto nicht einsatzbereit sonst würd ich hier noch n Bild zeigen.

Aber der Drill mit der Pin ....ein Traum, selten so weiche Knie gehabt
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Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 28 Dez 2012 20:37 #4066

  • patrick
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Fluss? See?
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Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 28 Dez 2012 20:48 #4067

See, bzw. wieder einer unserer typischen mittelfränkischen Karpfenweiher, aber nicht der aus dem Bericht.
liegt komplett offen ohne Bäume, nach ner halben Stunde hats mich an der Rollenhand ganz schön gefroren, da muß ich zugeben ist eine Stationärrolle etwas im Vorteil....
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Letzte Änderung: 28 Dez 2012 20:48 von grubenreiner.

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 29 Dez 2012 10:45 #4068

  • rainer1953
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  • Einfach - Nur - Angler
  • Beiträge: 116
Sehr guter Bericht, danke dafür.
@Wolfgang,
du solltest diese Werk einmal zu den Raubfischfangarten im CC Pro Raubfisch bzw, CC Basics Raubfisch einfügen!
Mit der Sportfischerprüfung wird die Vermutung bescheinigt, dass der Proband über ein bestimmtes Grundwissen verfügen könnte.
Letzte Änderung: 29 Dez 2012 10:48 von rainer1953.

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 01 Jan 2013 16:38 #4101

  • patrick
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> sign

btw..ich bin grade überall auf der Suche nach Sardinen oder Makrelen.
Die sind bei uns in Schwaben komplett aus dem Supermarkt Sortiment verschwunden.
Gibt bestimnmt in der Metro oder Nordsee bzw Fein Fisch welche..aber am Ende übersteigen Kosten und Aufwand den Nutzen.
Will die Seefische eigentlich nur im Winter einsetzen, solange die Köderfische schlechter zu finden und fangen sind.
Hab mir auch schon überlegt mir welche schicken zu lassen.

Weis zufällig jemand ob es im Fressnapf (XXL) sowas als Futtermittel gibt?
"BLOOD, SWEAT and BEERS"

-Frei nach Winston Churchill
Letzte Änderung: 01 Jan 2013 16:38 von patrick.

Aw: Hechtfischen mit Sardinen - ein Fangbericht 01 Jan 2013 17:34 #4102

  • Bitterling
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  • Engagierter Boarder
  • Beiträge: 93
@ Patrick

Kaufland hat Sardinen, manchmal auch Makrelen im Programm, sind aber meist in einer extra Box bei den " Besonderen" Sachen, zumindest bei uns.

Viele Grüße aus Schwaben

Bitterling
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