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Das wahre Gold – große Karauschen
(1 Leser) (1) Gast

THEMA: Das wahre Gold – große Karauschen

Das wahre Gold – große Karauschen 18 Mär 2012 22:37 #2418

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Goldstueck1.jpgGoldstueck1.jpg


Wo findet man noch Karauschen, die Handtellergröße überschreiten, sozusagen die wahren Goldstücke?
Bevorzugte Refugien der oft extrem verborgen lebenden Cyprinidenart sind flache, verkrautete Seen, Altarme, Torfstiche, Teiche, Gräben usw. Mit etwas Glück bemerkt man in geeigneten Buchten großer Seen und Flüsse ein kleiner Bestand dieser prachtvollen Flossenträger. Karauschen sind an extremste Lebensbedingungen angepasst. Besonders hart sind sie gegenüber Sauerstoffmangel, können sogar kurze Zeit ohne dieses lebenswichtige, im Wasser gelöste Gas auskommen. Gewässer, die derart ungünstige Sauerstoffverhältnisse aufweisen, beheimaten oft ausschließlich Karauschen. Dortige Bestände sind mit hoher Wahrscheinlichkeit verbuttet, größere Exemplare sucht da man vergebens. Anders hingegen sind Gewässer, welche ein ausgewogenes biologisches Gleichgewicht aufweisen. Den Raubfischen kommt hier die wichtige Aufgabe der Regulation zu. Der Überbestand vermehrungsfreudiger Fischarten wird dezimiert, die verbleibenden Karauschen können das Nahrungsangebot für sich nutzen und dadurch zu passablen Größen abwachsen.

Nach meinen Beobachtungen werden Karauschenbestände, selbst verbuttete in Kleinstgewässern, leider immer seltener. Wir Angler und fischereilich Interessierte sollten uns in Zukunft Sorgen um den Erhalt dieser schönen Fischart machen. In Extrembiotopen, wo ausschließlich Karauschen vorkommen, gibt es meist massenhaft davon. Hier sind die Bewirtschafter gefragt. Der Überbestand muss zum Besatz anderer, geeigneter Biotope abgeschöpft werden. Sicher handelt es sich nicht unbedingt um eine anglerisch spektakuläre Fischart. Meiner Meinung nach hat aber auch diese das Überleben verdient.

Wie schon eingangs erwähnt führt Carassius zumeist ein heimliches, verborgenes Leben. Größere Exemplare sind sehr scheu und vorsichtig. Sie zu beangeln ist alles andere als einfach. Zuerst heißt es die Fische zu finden. Dichte Krautbestände, die von Lücken durchsetzt sind, dienen als Anhaltspunkt. Wassertiefen von ein bis vier Metern werden bevorzugt. In der Nähe von überhängenden Büschen, die sozusagen ein Dach bilden, halten sich unsere heimlichen Gesellen ebenfalls gern auf. Langsam fließende Gräben oder Kanäle, die in ihrer Mitte eine pflanzenfreie Rinne haben, beangle ich z.B. genau an der zur Mitte gewandten Krautkante.
Das Pflanzenbeet vor unseren Füßen bietet den Fischen Deckung und Nahrung. Andererseits, und das ist unser Vorteil, kann der Fisch den Angler kaum wahrnehmen. Karauschen „wandern“ bei der Nahrungssuche regelrecht in den Pflanzenfeldern entlang. Das ist die beste Voraussetzung, um irgendwann auf unseren Angelplatz zu treffen.

Die Goldbeschuppten sind leider erst bei Wärme so richtig aktiv. Wassertemperaturen ab ca. 15°C versprechen am ehesten Erfolg. Die besten Karauschenfänge landete ich im Sommer bei molligen 20°C „Badewasser“.
Köder sind entsprechend den Nahrungsgewohnheiten dieser Fischart tierischer und pflanzlicher Natur. Mist- und Laubwürmer, Sprock, Maden aber auch Kartoffelwürfelchen oder Teig mögen die Goldgeschuppten gerne. Bei letzterem ist Zwiebackteig mein Favorit. Für die besseren Exemplare dürfen es ruhig haselnussgroße Kugeln sein. Wichtig ist, dass der Haken völlig darin versteckt ist. Würmer und Sprock bitte nicht in zu großen Portionen anbieten. Ein bis zwei kleine Ködertiere genügen vollkommen.

Gelockt wird mit Futter, das dem Hakenköder entspricht, gequollenem Weizen, etwas Paniermehl mit Wurmstücken bzw. Maden oder Haferflocken. Am Besten ist es nach dem Ausbringen der Montage direkt um die Pose Wurmstücken bzw. Teigklümpchen einzuwerfen. Es muss punktgenau und sparsam angefüttert werden. Sind viele Weißfische vorhanden ja nicht mit Haferflocken oder Maden füttern!

Kapitale Karauschen ziehen in Trupps aus wenigen Fischen umher, es bedarf also keiner großen Futtermenge sie am Platz zu halten. Lautes Platschen großer Futterkugeln wäre sowieso das Ende des Traums von der Kapitalen.

Die Montage spielt bei unserem Vorhaben eine wesentliche Rolle. Es gilt die Devise, so leicht wie möglich. Um die zwei, drei Gramm sollte die Pose tragen. Da in der Regel heimlich und ufernah geangelt wird, genügt die geringe Masse in den meisten Fällen. Geeignete Posen sind eigenschwere Stachelschweinborsten, leichte Federkiele oder kleine Sticks. Bei tierischen Ködern ist die Hakenbestückung schon fast die gesamte Beschwerung des Schwimmers. Seine Spitze sollte noch maximal einen Zentimeter aus dem Wasser ragen, dann ist er korrekt austariert.

Karauschenposen.jpgKarauschenposen.jpg


Würmchen, Sprock oder Maden lasse ich kurz über dem Gewässergrund schweben
(1 cm bis 3 cm), so können sie lebhaft zappeln und erregen am besten die Aufmerksamkeit der dicken Goldstücke.
Fische ich mit Zwiebackteig, kommt die sehr sensibel reagierende Liftmethode samt Stachelschweinborste zur Anwendung. Die Pose wird etwas tiefer eingestellt, als es das Wasser an der Angelstelle ist, das Vorfach wähle ich nur 10 cm lang. Nach dem Auswerfen der Montage straffe ich die Schnur gegen das Blei, welches schwerer als der Auftrieb des Schwimmers sein muss (um die 5 g), so dass vom Bißanzeiger nur noch ein kleiner Zipfel herausschaut. Nimmt ein Fisch den Köder ins Maul, wird das Blei mit angehoben, unser Flott steigt sofort auf. Genau jetzt erfolgt der Anhieb. Die Liftmethode erfordert ständige Aufmerksamkeit, urplötzlich muss man reagieren können. Solch ein Angeln ist anstrengend, richtige Arbeit. Die vorsichtigen, schlauen Großkarauschen sind aber oft nur so zur Strecke zu bringen.

Goldstueck2.jpgGoldstueck2.jpg


Während kleine Karauschen üblicherweise mit der „Stippe“ geangelt werden, kommt für Kapitale nur die beringte Rute samt Rolle in Frage. Exemplare von einem Pfund geben schon ihr Bestes im Drill, wer eine Vierpfündige hakt, ist heilfroh, dass er Schnur geben kann. Geeignete Ruten sind ca. 3,60 m 4, 20 m lang und haben ein Wurfgewicht von 10 g bis 40 g
Monofile Schnüre, die bei mir Verwendung finden, haben einen Durchmesser zwischen 0,18 und 0,28 mm. Ihr Einsatz richtet sich nach dem Krautbestand des Angelgewässers und der Größe zu erwartender Fische.
Angelhaken müssen stabil und nadelscharf sein. Drennan - Specimen Haken Größe 12 bis 10 oder kleine Karpfenhaken (für Teige) sind prima geeignet.

Nun etwas zur Strategie der Karauschenweid. Man hat die Wahl zwischen statischer und dynamischer Methode. An verkrauteten Gräben betreibe ich z.B. das Pirschangeln. Verdächtige Stellen und Krautlücken werden abgetunkt. Ich verweile dabei höchstens 15 Minuten an einem Angelplatz. So lange sollte man eventuell dort fressenden Fischen schon gönnen, um den Köder zu finden. Angefüttert wird hierbei nicht oder nur spärlich. Beim Pirschen werden die Karauschen von uns gesucht. Sinn macht das allerdings nur, wenn man die Gewässerstrecke gut kennt und eventuell beim Ansitzangeln an diversen Stellen bereits dicke Goldstücke erbeuten konnte.

Zum Ansitzangeln brauche ich nicht viel zu sagen. Dabei warten wir auf vorbeiziehende Karauschen. Kleine Futterfelder direkt am Hakenköder sollen die erhoffte Beute aufmerksam machen. Karauschenansitz ist eine heimliche, stille Angelegenheit. Hierzu sollte der Angler am besten ganz allein mit nur einer Rute losziehen. Jedes Gespräch oder unnütze Geräusch kann die vorsichtigen Tiere vergrämen, es wird ja meist in unmittelbarer Ufernähe geangelt.
Massenfänge dürft Ihr nicht erwarten, dafür Ruhe, Beschaulichkeit, Natur pur und wer weiß, vielleicht auch einen „vergoldeten“ Tag.

Ausnahmen bestätigen die Regel, meine größte Karausche wog 1,8 kg, die erwischte ich mit der Feederrute beim Brassenangeln und es gibt, da ich an dem Tag keinen Fotoapparat dabei hatte, nicht einmal ein Bild vom Prachtfisch … aber das Tierchen schwimmt noch in unserem großen Teich.

Des Weiteren, beim Karpfenangeln kamen schon große Karauschen zum Vorschein. Sie interessierten sich z.B. für 20er Erdbeerboilies … alles ist scheinbar möglich.
Ich angele, um dem Lärm der Welt zu entfliehen.
Letzte Änderung: 18 Mär 2012 23:16 von Tincer.
Folgende Benutzer bedankten sich: tesselata

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 18 Mär 2012 23:08 #2423

  • xAlex
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Vielen Dank für deinen Beitrag.
Die Karausche ist schon ein sehr aussergewöhnlicher Fisch. Im altem (Wald)Ententeich meines Opas waren die Karauschen die einzigen Fische die überleben konnten.
Leider wurde der zugeschüttet, wie viele ähnliche Kleingewässer meiner Umgebung.
Ich konnte allerdings feststellen das Karauschen sich auch bei Gewässer mit Karpfenbesatz nicht komplett unterkriegen lassen. Immer wieder werden sie gefangen, zumindest in Bayern.

Grüße

Alexander
Biggie und Fibre Paste süchtig...

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 18 Mär 2012 23:20 #2424

  • sapa59
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Super Beitrag! Bei uns gibts nur große Giebel. Hab noch NIE eine richtige Karausche gefangen Gruß Thomas

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 18 Mär 2012 23:25 #2425

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Große Giebel sind doch auch feine Fische, die fange ich jedoch mit Tauwürmern, Tauwurm-Mistwurm-Kombi oder Dosenmais
... "Wir" habe beide Fischarten in unseren Gewässern Giebel sind etwas einfacher zu fangen - finde ich. Unsere Karpfenangler werden ab und an von einem 5 Pfünder "geärgert"
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Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 19 Mär 2012 11:07 #2428

  • Sixpack
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Apropos Giebel - dieser war mein erster Fisch 2012...

2012006_a.jpg2012006_a.jpg
Letzte Änderung: 19 Mär 2012 11:08 von Sixpack.

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 19 Mär 2012 13:19 #2431

  • rainer1953
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Ist doch ein Superfisch - gratulation.

Danke für den Karauschenbeitrag.
Mit der Sportfischerprüfung wird die Vermutung bescheinigt, dass der Proband über ein bestimmtes Grundwissen verfügen könnte.
Letzte Änderung: 19 Mär 2012 13:20 von rainer1953.

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 19 Mär 2012 18:00 #2433

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Schönes Giebelfoto, der genaue Beobachter kann die deutlichen Artenunterschiede zwischen der Karausche und dem Giebel erkennen. Vor allem die Rückenflosse ist unterschiedlich ausgeprägt.

Oft liest man in der Literatur vom schwarzen Fleck auf der Schwanzwurzel bei Karauschen. Das stimmt ... aber nur bei den kleinen Fischen. Bei alten Karauschen ist dieser Fleck verschwunden, somit kein hilfreiches Unterscheidungsargument
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Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 22 Mär 2012 00:54 #2458

  • nasobem
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Meine Probleme sind bei den Karauschen gleich der bei den Schleien.
Die einzige Karausche, die ich erwischen konnte war aus besagtem Weiher in Frankreich. Anfang Oktober 2008 nach ein paar Tagen anstrengenden sozialen Vepflichtungen konnte ich 2 Stunden fischen und schließlich staunen.
Squameus herbosas capito interlucet arenas (Ausonius)
Letzte Änderung: 22 Mär 2012 00:57 von nasobem.

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 25 Mär 2012 20:50 #2493

  • BRB
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Heute war ich etwas recognoszieren. Da sich mein Lebensmittelpunkt in einiger Zeit wieder back to the roots bewegen wird, habe ich die Gewässer meiner Jugend aufgesucht und dort ohne zu Fischen ein paar Stunden verbracht. Dabei bin ich auf einen großen Schwarm Giebel gestoßen, die gerade im Laichgeschäft standen. Leider sind die Gewässer völlig frei von Hechten. Jedes Hechtilein, was sich zeigt, wird sofort von irgendwelchen mit Schlauchbooten versehenen Abstaubern rausgefangen, die regelmäßig wie ein Schwarm Kormorane über die kleinen, versteckt gelegenen Gewässer herfallen. Daraus resultiert sicherlich auch die geringe Größe der Fische. Keiner der etwa 300 Beteiligten war größer als 15cm. Die Mehrheit war etwa 10cm lang. Alle paar Minuten wurde es im Schwarm lebendig. Die Fische beteiligten sich gleichzeitig am Treiben. Dieses dauerte immer so etwa 30-40sec.
Abschließend ist mir noch ein Schnappschuss von Meister Bockert gelungen. Hier so zahlreich wie die Borsten einer Sau...
Gruß-BRB

Anhang Giebel01.jpg nicht gefunden




Anhang Giebel02.jpg nicht gefunden




Anhang Giebel03.jpg nicht gefunden




Anhang Bieber01.jpg nicht gefunden

Letzte Änderung: 18 Sep 2014 20:34 von BRB.

Aw: Das wahre Gold – große Karauschen 25 Mär 2012 21:51 #2494

  • Tincer
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So unterernährt wie die aussehen haben die doch gar nichts zum Laichen. Wenn die Fotos nicht wären hätte ich gesagt für die Fischart noch viel zu früh
... die üben schon mal ...

Da müsste der Kormoran mal rein, dann können die übrigen wenigstens wachsen

Alle Hechte rauszufangen schafft nicht einmal ein Berufsfischer. Ich denke die ewig lange Eisbedeckung vor zwei Jahren hat alles gekillt, was mehr O2 benötigt als Giebel & Karauschen.

Ohne Hechtneubesatz ein trauriges Gewässerchen. Höchstens nutzbar als Besatzfischquelle.
Ich angele, um dem Lärm der Welt zu entfliehen.
Letzte Änderung: 25 Mär 2012 22:16 von Tincer.
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