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| Hechtangeln vor 100 Jahren |
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| Sonntag, 25. Oktober 2009 | |
![]() „Wer kennt ihn nicht diesen Räuber, diesen Haifisch in unseren Strömen, Flüssen, Seen, Teichen und Gräben, der alles verschlingt, was er überwältigen kann.“ So begann Baron von Ehrenkreutz Ende des 19. Jahrhunderts in „Das Ganze der Angelfischerei und ihre Geheimnisse“ eindrucksvoll sein Kapitel über den Hecht. Damals war es noch üblich, wilde Tiere anhand menschlicher Wesenseigenschaften zu charakterisieren. Der Hecht „vereinigt so ziemlich alle Eigenschaften, die man anderen Fischen nachsagt, die guten sowohl, wie die schlechten“, fügte Fritz Skowronnek 1904 in „Die Fischwaid“ hinzu. Unser wohl bisher größter deutscher Angler, Dr. Karl Heintz, verglich den Esox jedoch mit Raubtieren des Landes: „Es fallen ihm (…) vor allem die Fische zum Opfer, welche irgend einen Defekt an sich tragen, so bei großen Schwärmen die Nachzügler. Er ist so eigentlich die Hyäne oder der Schakal unserer Gewässer“. Weil er „der ärgste Raubfisch des süßen Wassers“ ist, nannte ihn Max v. d. Borne Anfang des 20. Jh. ehrfurchtsvoll auch „Wasserwolf“.
Dieser große Hecht hatte dem Können seiner Fängerin wohl nichts entgegenzusetzen.
Über den Lebensraum des Hechtes wusste man damals schon eine ganze Menge. Eine besonders schöne Schilderung findet sich in Dr. August Winters Werk „Grundangeln“ aus dem Jahre 1929: „Sein wahres Lebenselement ist das warme Wasser der großen Bäche, der Flüsse und Seen der Ebene und des Vorlandes. Dort, wo das Wasser nicht mehr wild und tosend in Fällen und Wirbeln sich zu Tale wälzt, - donnernd gegen Felswände schlägt und sich an den großen Gesteinsbrocken im Flußbette bricht -, sondern mehr geruhsam daherströmt, breite Buchten bildend, wo Schilf und Seerosen üppig gedeihen und breite, tiefe Grasbetten den Boden des Flusses bedecken, - wo Schwärme von Lauben und Rotaugen ihr Spiel in der Sonne treiben und das Wasserhuhn durch das Schilf schreitet oder wo ein See seine Schilfumgürtete Fläche spiegelt. Dort sonnt sich der alte Räuber gern, den breiten, grauen Rücken halb von einen Seerosenblatt verdeckt.“ Herrlich! Zwei Jahre zuvor schrieb Wilhelm Doose in „Fischwaid in deutschen Binnengewässern“ fast liebevoll: „Er weiß sich meisterhaft den Stengeln und Blättern, den Gräsern anzupassen, und wenn man schon die Junghechte sieht, wie sie regungslos unter oder an den Pflanzenteilen sich aufhalten, huscht ein Lächeln über das Antlitz der Angler; sie wissen, was ein Häkchen werden will, krümmt sich beizeiten.“
Große Hechte waren auch vor hundert Jahren Traum jedes Anglers.
Bei diesem großen Appetit darf ein mächtiges Wachstum natürlich nicht verwundern. Doch die Geschichte, die uns Baron von Ehrenkreutz auftischt, gehört dann doch eher in ein Buch der Gebrüder Grimm. Er schreibt, der Hecht wächst schnell und wird sehr alt, „wie man das an einem Hecht gesehen, den Kaiser Friedrich II. am 5. Oktober 1230 mit einem Ring gezeichnet und eigenhändig in einem See, den sogenannten Kaisers-Wog bei Kaiserslautern gesetzt hatte. Dieser Hecht war den 6. September 1497 wieder gefangen, also 267 Jahre nach seiner Einsetzung; er war neunzehn Schuh lang und wog 350 Pfund.“ Das wäre dann wohl Platz 1 der Blinker Hitparade!
Der teure Traum unserer angelnden Großväter: Eine Spinnkombo des englischen Herstellers Hardy.
Devons von Hardy: Auch damals konnte man seinen Angelkoffer mit vielen bunten Schönheiten füllen...
Ein deutscher Spinnangler aus den 1920er Jahren.
Anglen mit Köderfischen am Spinnsystem war in Deutschland lange Zeit sehr beliebt.
Die Eisvogelfliege von Dr. Karl Heintz verführte nicht nur Huchen, sondern auch Hechte.
Neben Köderfischen und Kunstködern wurden aber auch weitaus exotischere Köder zum Hechtfang verwendet, die heute nur noch etwas für hartgesottene Petri Jünger wären. In fast jedem alten Angelbuch wird bspw. die Maus als Topköder für Hechte erwähnt. Heintz schrieb: „Als einer der sichersten Hechtköder ist nach Bischoff eine lebende Maus anzusehen. Abgesehen jedoch von der Schwierigkeit der Beschaffung, ist es nicht jedermanns Sache, eine solche Anzuködern. (…) Man führt einen Haken durch die Rückenhaut, welche sich leicht in Falten aufheben lässt, und überlässt die Maus nach dem Wurfe sich selbst. Vorfach und Schnur müssen möglichst leicht sein, sonst ertrinkt sie schon in der ersten Minute.“ Max v. d. Borne wusste gar, dass die Maus vor allem auf "alte Räuber“ wirkt, bei denen „alle anderen Versuche versagt haben“. Eine Geschichte von Gustav Fellner scheint dies zu belegen: „Ein vorzügliches Lockmittel auf Hechte, an welches ich jedoch seinerzeit als angehender Angler nicht gleich glauben wollte, ist die Maus. Ein alter Hechtfischer konnte damals einen großen, in einem tiefen Tümpel ganz einzeln stehenden Hecht mit keiner noch so verlockenden Köderung herausbekommen; auch das Einlegen des Fischköders und entfernen des Fischenden vom Tümpel nützte nichts, ebenso wenig hatte eine über Nacht ausgelegte Wurfschnur Erfolg. Der Betreffende tränkte dann mittels Wassereinguß in einen Mäusebau eine Feldmaus aus und köderte dieselbe, nachdem er den Korkschwimmer und den Bleisenker von der Schnur abgenommen hatte, in der Rückenhaut an einem Doppelhaken. Die so geköderte und an die tiefsten Wasserstelle gelassene Maus tat bei ihrem Rettungsversuch sogleich ihre Wirkung; sie hatte kaum Schwimmversuche gemacht, als sie vom Hechte unter Wasser gerissen wurde, und damit war das Schicksal des geriebenen Althechtes entscheiden.“
Da die Maus als Erfolgsköder für Hechte galt, stellte DAM lange Zeit den „Maus-Wobbler“ her.
An Blechködern fehlte es auch um 1900 nicht, wie das Ködersortiment eines deutschen Händlers zeigt.
Es ist schon eine Aufregende Sache einen großen Hecht zu fangen und zudem oft der Höhepunkt im Leben eines Anglers. Diese Meinung teilte auch unser Altmeister Dr. Heintz, der das Angeln mit der Jagd verglich „weil es die beiden ältesten ritterlichen Vergnügen sind, denen schon unsere Altvorderen sich mit Leidenschaft hingaben. (…) So komme ich dann stets zu dem Resultate, daß höchstens eine weidgerechte Pirsche auf den majestätischen Hirsch oder den flüchtigen Gemsbock eine ähnliche Summe von Aufregungen und ein solches Gefühl der Befriedigung gewährt wie der Kampf mit einem Zwanzigpfünder an einer Spinngerte.“ Wahnsinn! Wie könnte ich nun diesen Beitrag schöner beenden als mit den über 100 Jahre alten Worten von Fritz Skowronnek: „Und dann hinaus aufs Wasser und fröhlich gesponnen. (…) Und was eine energische stundenlang fortgesetzte Bewegung in frischer Luft für den Großstädter bedeutet, der von seinem Beruf die Woche über an die Werkstatt oder den Bureauschemel gefesselt wird, das brauche ich wohl nicht näher auseinander zu setzen. Also hinaus zum fröhlichen Spinnen und - Petriheil!“ Von Wolfgang Kalweit |







