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| Fischen im alten englischen Stil... (Teil 1) |
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| Montag, 22. September 2008 | |
In dieser Serie verrät uns Michael Flosdorf was es mit dem 'alten englischen Stil' in der Angelei auf sich hat. Im ersten Beitrag dieser dreiteiligen Serie geht es vor allem um die Entwicklung des 'Specimen Hunting'.
England wird nicht umsonst als das Mutterland des Angelns bezeichnet. Hier war und ist das Fischen ein Volkssport, der sich ungebremster Popularität erfreut. Kein Wunder also, dass dadurch auch ausgefeilte Methoden schon in frühester Zeit entstanden, als hier auf dem Kontinent noch anglerische Steinzeit herrschte. Und nicht nur im Bereich des „game fishing“, die noble Fischerei auf sogenannte Edelfische, auch das „coarse fishing“ (engl.: coarse = grob), die Fischerei auf Weißfische, und somit der Sport des kleinen Mannes, wurde im Lauf der Jahre perfektioniert und verfeinert.
Der Autor mit einer schönen Schleie, gefangen im 'englischen Stil'.
Schon in den dreißiger Jahren spezialisierten sich englische Angler auf das Befischen einer bestimmten Fischart und versuchten, durch die richtige Köderwahl, Auffinden der Fressplätze und geeignetes Gerät, möglichst selektiv zu fischen. Einer, der dieses sogenannte „Specimen Hunting “ (engl.: heißt soviel wie: die Jagd nach besonders großen Exemplaren einer Spezies) in den 50er und 60er Jahren perfektioniert hat, ist der legendäre englische Angler Richard Walker. Er muss ein besonders begnadeter Angler gewesen sein, der es sehr gut verstanden hat, ein Gewässer zu „lesen“, Verhaltensweisen der Fische zu studieren und richtig zu deuten, um daraus resultierend entsprechende Methoden zu entwickeln. Der wirtschaftliche Aufschwung in der Nachkriegszeit und die für damalige Verhältnisse rasante Entwicklung in der chemischen Industrie wirkte sich auch vorteilhaft auf die Angelindustrie aus. Neue, künstlich hergestellte Materialien ersetzten langsam die bisher verwendeten Naturmaterialien. So wurde die gute alte Seidenschnur vom Nylon abgelöst und die gespliesste Bambusrute wich dem neuen Wundermaterial Glasfaser. Walker verstand es auf einzigartige Weise, die neuen Materialien sinnvoll zu nutzen und vereinte sein praktisches Wissen mit den technischen Möglichkeiten der Zeit. In Kooperation mit berühmten Firmen wie B. James & Son (spätere Fa. Bruce & Walker) oder auch Hardy, entstanden interessante Ruten, die auf bestimmte Einsatzbereiche hin konzipiert wurden. Durch Dick Walkers Initiative gründeten sich mit der Zeit in ganz England sogenannte Specimen Hunting Groups , die gemeinsam durch gezielten Erfahrungsaustausch bestimmte Fischarten in einer bis dahin nicht gekannten, effizienten Art und Weise befischten. Dadurch wurden immer effektivere Angelmethoden gefunden, die auch in der restlichen Anglerschaft breiten Anklang fanden. Die neuen Angeltechniken benötigten spezielles Gerät, so entstanden u. a. auch spezielle Ruten für die entsprechenden Methoden. Es wurden Ruten entwickelt, die auf die Anforderungen beim Befischen bestimmter englischer Flüsse hin angepasst waren ( z. B.Avon- oder Kennet-Ruten), oder aber zur Anwendung bestimmter Angelmethoden dienten (z. B. Trotter, Feeder- und Swingtip- Ruten).
Klassische Rutenmodelle aus England.
Eine dieser Ruten ist die Avon-Rute, die ich Ihnen hier vorstellen möchte. Diese Rute hat einen breiten Anwendungsbereich und sie wurde schon in den frühen vierziger Jahren gebaut, damals unter dem Namen eines berühmt gewordenen Avon-Anglers, F.W.K. Wallis.
Avon-Splitcane mit Allcock Aerial.
Ende der sechziger Jahre verdrängte die Glasfaser die gespliessten Ruten. Die Avon-Rute wurde von einigen Herstellern nun als Glasfasermodell in 11 ft., 10 ft. und für spezielle Einsätze, z. B. unter Bäumen sogar in 9 ft. gebaut. In Zusammenarbeit mit der renommierten Fa. Hardy entstand die 10 Fuß (3,05 m) lange Hardy Richard Walker Avon. Ähnliche Modelle anderer, kleinerer englischer Firmen folgten. Etwa zur gleichen Zeit wurde auch eine etwas längere splitcane Version in 11’ 6“ (ca. 3,50 m) von B. James gebaut, die Avon Perfektion. Diese Rute ist dreiteilig, etwas länger und somit auch ein wenig sensibler. Sie eignet sich hervorragend zum Flussfischen mit der Pose auf große Distanzen und zum langen Treibenlassen der Posenmontage. Später wurde dieses Modell von der Firma Bruce & Walker (Nachfolger von B. James & Son) auch in Glasfaser gebaut, in den achtziger Jahren dann auch in Kohlefaser.
Hardy Avon mit D.A.M. Grundrolle.
Im nächsten Teil befassen wir uns dann mit der Technik des Trottings, Legering sowie das Fischen mit der Quiver- bzw. Swingtip und stellen entsprechende Geräte vor. Von Michael Flosdorf Relevante Artikel: Teil 2: Über das Trotting Teil 3: Über das Legering |







